Die dritte Runde

Am 8. September fand unser drittes Gespräch mit Vertreter:innen des Studierendenwerks AdöR, Vermögens- und Bauamt (VBA) und dem Studentenwerk e.V. statt, weiterhin moderiert von Baubürgermeister Cord Soehlke. Die dritte Gesprächsrunde startete erstmals in Präsenz, wofür uns freundlicherweise der Sitzungssaal des technischen Rathauses zur Verfügung gestellt wurde. Den Dialog haben wir als ehrlich, kritisch und zugleich verständnisvoll erlebt.

Nach unserer Einschätzung sind wir zurück auf dem Weg der ergebnisoffenen Verhandlungen! Die Sitzung konnten wir nutzen, um unser bereits erarbeitetes Konzept zum Erhalt der Münzgasse 13 ausführlich vorzustellen und die zahlreichen Rückfragen zu beantworten. Da das Studierendenwerk (AdöR) für die Vorstellung ihres Konzeptes auf ein Gutachten angewiesen ist, wird die Münze morgen von einer von ihnen gesandten Architektin besichtigt. Bis Ende Oktober wird die darauf folgende Einschätzung vorgelegt und im November die Position des Studierendenwerks in einer Verwaltungsratssitzung diskutiert. Anschließend setzen wir unseren vierten Gesprächstermin an, mit Raum für die Präsentation des Konzeptes des Studierendenwerk.

Auch wenn eine endgültige Einschätzung der Konzepte sicher noch nicht für alle Beteiligten möglich ist, kristallisieren sich die Vor- und Nachteile beider Wege immer deutlicher heraus. Das Studierendenwerk betonte, dass sie eine Sanierung von solchem Umfang nicht im laufenden Betrieb, sondern nur im leeren Haus durchführen können. Auch wenn sie für die Bewohner:innen Ersatzwohnraum zur Verfügung stellen, würde das wohl das Ende des „besonderen Soziotops“ in der Münzgasse 13 bedeuten. Wie wir seit längerem befürchtet haben, sei es aus rechtlichen Gründen nicht möglich, nach einer Sanierung weiterhin an Nicht-Studierende zu vermieten, was auf einige der Mitbewohner:innen der Münze 13 zutreffen würde.

Als Syndikatsprojekt mit dem Vorhaben eine denkmalgerechte Sanierung bedürfnisorientiert und über einen längeren Zeitraum im bewohnten Zustand zu realisieren, stehen wir vor der Herausforderung, den:die dafür passend:e Architekt:in zu finden. Unsere bisherigen Einschätzungen und Gespräche haben wir mit solidarischen und befreundeten Architekt:innen und Handwerker:innen geführt, was leider nicht bedeutet, dass diese auch Kapazitäten für das ganze, große Projekt haben. Wir befinden uns auf der Suche und hoffen, bis November mehr erzählen zu können, um diesbezügliche Unsicherheiten zu nehmen. Außerdem gibt es bei der potentiellen Übernahme und Änderung des Erbbaurechtsvertrags einige Hürden, weshalb wir dabei sind, den Kontakt zwischen dem Tübinger VBA und den institutionell Verantwortlichen bei ähnlichen Konstellationen für MHS-Projekte in Freiburg und Heidelberg herzustellen. Nach wie vor bleibt also viel zu tun.

Noch eine schlechte und zwei gute Kurz-Nachrichten zum Schluss

  • Flop: Wir haben erneut die Kündigung durch das Studentenwerk e.V. erhalten, ab November drohen den Ersten von uns die Räumungsklage. Nach Einschätzung unseres Anwalts ist die Kündigung glücklicherweise unbegründet, die rechtlichen Prozesse zehren aber ganzschön an unserer Hauskasse und auch unnötig an unseren Nerven.
  • Top: Das Studierendenwerk AdöR kümmert sich mittlerweile um die drängendsten Probleme im Haus (Heizung, Brandschutz und neu im Sortiment: ein Rohrbruch im dritten Stock), was für uns eine deutliche Entschärfung der Situation bedeutet.
  • Top: Unser geliebter Kulturraum öffnet, wenn auch nur im Kleinen, endlich mal wieder seine Pforten. Am 18. September von 12 bis 17 Uhr wird es mindestens köstliches Essen, soliden Kaffee, Updates zur Besetzung, Musik, Kunst und Kleidertausch geben. Mit mehr Infos melden wir uns am Wochenende. Schreibt uns bei Fragen gerne an, wir freuen uns auf Austausch mit euch.

Auftakt der Verhandlungen gestaltet sich schleppend

Im Rahmen des Dialogs zur Übernahme der Erbpacht der Münzgasse 13 durch die Bewohner:innenschaft unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats fand am 24. Juni eine Begehung der Immobilie statt. Anwesend waren Delegierte des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, des Studentenwerks e.V. und des Amtes für Vermögen und Bau Baden-Württemberg (VBA). Auch Baubürgermeister Soehlke konnte sich für den Auftakt Zeit nehmen.
Die Begehung wurde vom Verwaltungsrat des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim als Grundlage für ergebnisoffene Verhandlungen gefordert und von der Bewohner:innenschaft gern ermöglicht. Leider war sie jedoch von Desinteresse und mangelndem Engagement vonseiten des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim geprägt, sodass es schleierhaft bleibt, wie dieser Termin eine Dialogbasis bilden kann.
Die stellvertretende Geschäftsführung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim wollte schon nach kurzer Zeit die Begehung wieder verlassen, um in ihre Mittagspause zu gehen. Zum größten Teil wusste ihre Delegation nicht über die Lage in der Münzgasse Bescheid: Weder kannte sie die rechtliche Situation, zum Beispiel bezüglich des Erbbaurechtsvertrages, noch fiel die Immobilie laut eigener Aussage in ihren Tätigkeitsbereich. Zudem waren sie nicht über die bereits geführte Kommunikation zwischen der Münze 13 und dem Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim im Bilde.
Die Gesandten des Studentenwerks e.V. hingegen liefen ohne Begleitung in private Zimmer, in denen Sie wahllos Fotos schossen.
Die Bewohner:innenschaft hatte sich mit einer detaillierten Mängelliste und einer akribisch ausgearbeiteten Sanierungsschätzung auf einen professionellen Austausch vorbereitet, der den eklatanten Wissenslücken der meisten Teilnehmenden geschuldet nur mit dem VBA möglich war. Offensichtlich wurde der Ernst der Lage von entscheidenden Akteur:innen noch nicht erkannt.
Für den nächsten Gesprächstermin, der nach Absprache mit Baubürgermeister Soehlke noch im Juli stattfinden wird, erwarten wir von allen beteiligten Parteien die Entsendung von Teilnehmer:innen mit Sach- und Entscheidungskompetenz sowie eine transparente Kommunikation.

Heizung und Besuch in der Münze 13

Nun ist es endgültig: Unsere Heizung ist kaputt. Nachdem sie schon seit Dezember auf Notbetrieb lief und das Stuwe AdöR auch nach mehrmaligen Anfragen der zuständigen Firma nichts unternommen hat, mussten wir am 09.06. Heizung und Gas aufgrund einer akuten Notsituation ausschalten. An diesem Abend war von der Heizung ein lautes Rattern und ein von dieser ausgehender Gasgeruch wahrnehmbar, sodass wir uns dazu entschieden, das Haus zu verlassen. Glücklicherweise konnte gerade noch rechtzeitig bewerkstelligt werden, Heizung und Gas abzustellen. Die zuständige Heizungsfirma hat uns aufgrund der Dringlichkeit ohne den Auftrag vom Studierendenwerk AdöR einen Durchlauferhitzer zur Verfügung gestellt und das Gas verplombt. Auf eine Notlösung folgte eine Notlösung. Ärgerlicherweise streitet das Studierendenwerk AdöR nun die Zuständigkeit für Reparaturen am Haus ab. Wir sind sprachlos, denn das Studierendenwerk AdöR hatte im Vorfeld schon versichert, sich der Heizungsproblematik anzunehmen.

Gleichzeitig gibt es auch gute Nachrichten: Am Donnerstag (24.06.) steht eine Begehung mit Vertreter:innen des Studierendenwerk AdöR, des VBA und Herrn Cord Soehlke an. Sie wollen einen allgemeinen Eindruck des Gebäudes bekommen und eine Grundlage für die Verhandlungen schaffen. Wir freuen uns auf diesen Termin und sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen schnell aufgenommen werden und wir unserem Ziel ein großes Stück näher kommen.

Soli-Shirts

Münze 13 bleibt – jetzt und für immer ❤

Die T-Shirts sind öko und wurden von uns im Epplehaus mit Siebdruck verziert. Wir verkaufen die Shirts jetzt erstmal sonntags zwischen 16-18 Uhr aus dem Fenster des Blauen Salons. Einmal in der Woche würden wir auch versenden. So oder so, schreibt uns gerne vorher, welche Farbe und Größe ihr möchtet, damit wir wissen, wie viel wir von was drucken.

Da wir coronabedingt ja leider keine Hausfeste und Solipartys schmeißen können, hoffen wir so, zumindest einen Teil der Kosten für die professionellen Gutachten und den Anwalt decken zu können.

#supportyourlocalsquat

Start in die Verhandlungen: Besetzung erreicht erstes Etappenziel

Der Runde Tischer mit Studierendenwerk, Stadt und Land war ein großer Erfolg. Von keiner Seite gibt es grundlegende Bedenken gegen die Umwandlung des Hauses in ein Projekt des Mietshäuser Syndikats, so das Fazit nach dem ersten Gespräch in großer Runde.

Am 8. April fand ein digitales Treffen zwischen Bewohner:innen der Münze 13, der Geschäftsführung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, Vertreter:innen des Mietshäuser Syndikats, des Tübinger Studentenwerk e.V., der Stadtverwaltung, dem VBA, Politiker:innen verschiedener Parteien sowie den zahlreichen Akteur:innen, die der Umwandlung des Hauses in ein selbstverwaltetes Wohnprojekt unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats zustimmen müssten, statt. Auch aufgrund der Komplexität der Besitzverhältnisse, notwendigen Kooperation verschiedener Institutionen und unklarer Zuständigkeiten blieben in der Vergangenheit Anfragen der Hausgemeinschaft bezüglich der Übernahme des Erbbaurechtsvertrags unbeantwortet. Deshalb saßen nun Oliver Schill und Tilmann Beetz aus der Geschäftsführung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, Universitätsrektor Prof. Dr. Bernd Engler als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Studierendenwerks und Andreas Hölting, Leiter des Tübinger Amts für Vermögen und Bau zumindest virtuell an einem Tisch.

Nach jahrelangen erfolglosen Bemühungen der Bewohner:innen, mit dem Studierendenwerk in Dialog über die Zukunft des Hauses zu treten, wird die neue Gesprächsbereitschaft als großer Fortschritt gewertet. Der runde Tisch mit allen relevanten Akteur:innen kam auf Initiative der Bundes- und Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal, Dr. Dorothea Kliche-Behnke, Heike Hänsel, Chris Kühn und Dr. Martin Rosemann zustande, die ebenfalls am Treffen teilnahmen.

Im Laufe des Treffens äußerte sich Andreas Hölting klar, dass Vermögen und Bau sich selbst nicht als aktiven und politischen Akteur sehe, sondern vielmehr in einer Verwaltungsrolle. Die Entscheidung müsse an anderer Stelle getroffen werden, Vermögen und Bau reagiere auf das, was der jetzige Erbbaurechtsnehmer mit seinem Verwaltungsrat [also das Stuwe AdöR] und den dazugehörigen Ministerien entscheidet. Für die Stadt Tübingen ist eine angemessene Pflege der stadtbildprägenden Immobilie sowie der Erhalt seiner sozialen Zwecke wichtig, die diesbezüglich sehr gute Erfahrungen mit den selbstverwalteten Syndikatsprojekten gemacht hat.

Im nächsten Schritt werden sich Prof. Dr. Bernd Engler und Oliver Schill im Verwaltungsrat um ein Mandat bemühen, das ihnen ermöglicht, in ergebnisoffene Verhandlungen mit den Bewohner:innen zu treten. Im weiteren Prozess werden die alternativen Optionen der a) Sanierung und Umwandlung in ein Syndikatsprojekt durch die Bewohner:innen oder b) Sanierung durch das Studierendenwerk anhand verschiedener Kriterien verglichen, um die für alle Beteiligten beste Lösung auszumachen. Alle Beteiligten verständigten sich einvernehmlich auf eine Moderation durch Baubürgermeister Cord Soehlke. Einigkeit unter allen Anwesenden herrschte zudem darüber, dass es ein „Weiter so“ nicht geben könne und gemeinsam an einer konstruktiven Lösung zum Erhalt des denkmalgeschützten Hauses und des gewachsenen, nicht-kommerziellen Wohn- und Kulturraums gearbeitet werden muss.

Als Bewohner:innen der Münze 13 sind wir überzeugt, dass wir sehr gute Argumente für den Fortbestand in echter Selbstverwaltung und einer bedarfsorientierten und qualitativ hochwertigen Sanierung als Projekt des Mietshäuser Syndikats haben.

Europaweiter Housing Action Day am 27.3.

Wir sind Teil des Tübinger Aktionsbündnis und laden euch herzlich zur Kundgebung um 13.30 Uhr auf den Holzmarkt ein! Außerdem könnt ihr den ganzen Tag ab 11 Uhr vor unserem Haus eine Ausstellung zur bewegten Geschichte der Münze 13 begutachten. Europaweit gehen zum Housing Action Day Menschen auf die Straße: Für das Recht auf ein würdevolles Leben in guten und sicheren Wohnungen für alle und für eine solidarische Stadt(gesellschaft).

Die Missstände sind alle seit vielen Jahren bekannt: Mieten und Bodenpreise in den attraktiven Städten explodieren, angeheizt durch den Handel und die Spekulation mit „Betongold“. Gleichzeitig wurden über viele Jahre bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen an Miethaie verkauft und viel zu wenige davon neu gebaut. Beides zusammen führt dazu, dass Mieter*innen mit kleinen Einkommen verdrängt werden und Wohnungsnot und -unsicherheit in breiten Bevölkerungsschichten grassiert. In der Pandemie wird all dies noch verschärft. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass beengte und schlechte Wohnverhältnisse sehr stark zu Ansteckungen und schweren Krankheitsverläufen bei Covid19 beitragen. Und: Aktien- und Kapitalbesitz macht in dieser Krise reich(er), Kurzarbeit bei niedrigen Löhnen lässt Menschen vollends verarmen und bringt sie in die existenzielle Not, z.B. ihre Mieten oder Nebenkosten nicht mehr zahlen zu können.

Das mag es alles geben, aber doch nicht in Tübingen… Falsch, es gibt für all das Aufgezählte auch hier Beispiele:
Es gab die Privatisierung von Sozialwohnungen in die Hände von allein auf Rendite ausgerichteten Wohnungskonzernen, es gibt Miethaie, es gibt Verdrängung, es gibt enormen Druck – nicht nur, aber vor allem – auf Einkommensschwächere. In Zukunft übrigens noch mehr durch das von fast allen Gemeinderatsfraktionen hofierte Amazon-/Cyber-Valley, das bei „überhitztem Wohnungsmarkt“ hunderte oder gar tausende von gutbezahlten Spezialist*innen zusätzlich anziehen und um den knappen Wohnraum konkurrieren lassen wird.

Trotzdem ist es so, dass viele von Wohnungsnot, Verdrängung und Miethai-Praktiken Betroffene sich bisher nicht öffentlich wehren, vielleicht aus Scham, vielleicht aus Hoffnungslosigkeit. Das wollen wir ändern!

Gleichzeitig gibt es aber auch Beispiele dafür, wie es anders gehen kann:

  • In Tübingen hat die Erbengemeinschaften der Fruchtschranne 6 das Haus zu einem fairen Preis an die Bewohner*innen verkauft, die es nun mit dem Mietshäuser Syndikat dauerhaft vom Immobilienmarkt genommen und bezahlbare Mieten gesichert haben.
  • Aktuell kämpfen die Bewohner*innen des ehemals – und jetzt wieder – besetzten Hauses Münzgasse 13 darum, ihr Haus ebenfalls mit dem Mietshäuser Syndikat kaufen und dauerhaft sichern zu können.
  • Mit der Genossenschaft Neustart Tübingen wird ein neues, beispielhaftes sozial-ökologisches Konzept von Nachbarschaften für das Neubaugebiet Marienburger Straße entwickelt.
  • Und in Berlin sammelt die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen (mit Co ist z.B. die auch in Tübingen aktive Vonovia gemeint) derzeit erfolgreich Unterschriften für einen Volksentscheid zur Enteignung von Immobilienkonzernen, die nach dem Grundgesetz möglich ist.

Wohnraum darf keine Ware sein! Immobilienkonzerne enteignen!

Viel mehr kommunale und Landesinvestitionen in dauerhaft bezahlbaren Wohnraum!

Bessere Förderung aller gemeinwohlorientierten Akteure im Wohnbereich!

Mietenstopp und Mietendeckel überall!

Abschaffung von Lagerunterbringung – nicht nur in Pandemiezeiten!

Recht auf Stadt und Teilhabe an allen städtischen Leistungen für alle, auch für Geflüchtete und Wohnsitzlose!

Bitte beachtet auf der Kundgebung und bei der Ausstellung die Corona-Regeln: Mund-Nase-Bedeckung tragen und Abstand halten.

Stellungnahme zur Pressemitteilung des Studierendenwerks AdöR

Zunächst waren wir davon irritiert, dass das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim AdöR (Stuwe AdöR) auch nach Verkündung der Besetzung der Münzgasse 13 und abermaliger Gesprächseinladung den Kontakt mit den Bewohner:innen verweigert  und lediglich eine Pressemitteilung voller leerer Versprechungen und falscher Behauptungen vom Schwäbischen Tagblatt drucken ließ. Andererseits hätte es keinen besseren öffentlichen Beweis für das Verhalten des Studierendenwerks geben können. Nach mehr als sieben Jahren erfolglosen Bemühungen, mit dem Stuwe AdöR einen Dialog über die Zukunft der Münze 13 zu führen, sehen wir die Besetzung nach wie vor als letzten Ausweg, um für den Fortbestand des subkulturellen Zentrums und unseres Zuhauses einzustehen. Die Zermürbungstaktik, Zuständigkeiten zu verweigern und zu ignorieren praktiziert das Stuwe AdöR seit Jahren. Das kennen wir bereits und werden uns davon nicht unterkriegen lassen. 
An dieser Stelle möchten wir einige Richtigstellungen und Ergänzungen vornehmen, auch wenn wir überrascht sind, dass wir mehr Wissen über die Immobilie und ein mögliches Veräußerungsverfahren besitzen als ihre Eigentümerin, das Studierendenwerk AdöR.

  • Die Münze 13 befindet sich seit 1998 in Besitz des Studierendenwerks, war jedoch weder heute noch zum Zeitpunkt des Kaufes ein Studierendenwohnheim. Vielmehr zeichnet sich das seit der Besetzung 1977 gewachsene sozio-kulturelle Wohnprojekt, welches das Stuwe AdöR in seiner Pressemitteilung zu Recht anerkennt, durch eine gemischte Bewohner:innenschaft aus. Das Haus wird somit also NICHT „seit mehr als 100 Jahren als Studierendenwohnheim betrieben“, sondern WURDE von 1683 bis 1936 als Wohnraum für finanzschwache Stipendiaten genutzt und IST seit nun 44 Jahren ein Wohnprojekt, das ausdrücklich nicht nur Wohnraum für Studierende bereitstellt. 
  • Die „zwischenzeitliche Unterbrechung“ der Wohnnutzung betrug exakt 40 Jahre (von 1936 bis 1976) und begann mit der NS-Diktatur, welche in dem Gebäude eine Gestapo-Diensstelle einrichtete. In der Münze 13 wurden u.a. Deportationen organisiert und Gefangene verhört. Nach Ende des zweiten Weltkriegs ging das Gebäude an die Polizei über. Nach deren Umzug in einen Neubau wollte die Universität das Gebäude für Lehre und Verwaltung nutzen. Nur der Entschlossenheit der Besetzer:innen von 1977 ist zu verdanken, dass heute in der Münze 13 wieder sozial verträglicher Wohnraum besteht. 
  • Ein Verkauf würde nichts an der Struktur der Bewohner:innenschaft und der Verfügung günstiger Wohnplätze ändern. Der Verein Münze 13 e.V. bekennt sich weiterhin zu einer Studierenden- und Auszubildenenquote von 60 Prozent. Lediglich könnte das Stuwe AdöR die Zimmeranzahl nicht für seine Wohnheimsplatz-Statistik nutzen. Vielmehr würde eine Sanierung durch das Stuwe AdöR aller Wahrscheinlichkeit nach einen Wegfall von Wohnplätzen für Menschen bedeuten, die nicht studieren und es auf dem aktuellen Wohnungsmarkt nicht einfach haben, einen Wohnraum zu finden. Von dem Erlös aus dem Verkauf sowie den Einsparungen der notwendigen Sanierung, könnte das Stuwe AdöR jedoch weitere Wohnheimsplätze schaffen, die tatsächlich Studierenden zu Gute kommen.
  • Es ist falsch, dass vor der Veräußerung „grundsätzlich eine offene Ausschreibung“ stattfinden müsste. Beispiele wie die Lu15 zeigen, dass das Stuwe AdöR verkaufen kann, wenn es möchte.

Wir fragen uns zudem, was es bedeutet, dass die „Liegenschaft nicht entbehrlich“ ist. Im Sinne eines nachhaltigen Gebäudemanagements müsste demzufolge ein Interesse an ihrer Instandhaltung bestehen. Wir sind voller Unglauben darüber, dass eine Besetzung notwendig ist, damit sich das Stuwe AdöR für den Zustand der Baussubtanz interessiert. Die erneute Zusicherung einer „zukunftssichernden Sanierung“ halten wir nach Jahrzehnten des Verfalls für wenig glaubwürdig. Zudem zeigen Beispiele wie die Wilhelma und Münze 7, dass Sanierungen durch das Stuwe Adör zu qualitativ mangelhaften Ergebnissen führen (Wilhelma) oder nicht im Sinne der Selbstverwaltung saniert wird, etwa durch veränderte Grundrisse (Münze 7). In beiden Fällen gingen die Sanierungen zudem mit massiven Mieterhöhungen einher. Auch wird es dem Stuwe AdöR nicht möglich sein, dem Wohnprojekt eine gesicherte Zukunft und eine Sanierung entsprechend „den  Ansprüchen  der  derzeitigen  Bewohnerinnen  und  Bewohner“ zu bieten – denn dies sind teilweise keine Studierenden, was streng genommen bereits jetzt einen Bruch des Erbauvertrags zwischen Land und Stuwe AdöR darstellt. Die jetzige Situation ist auch Studiereden gegenüber nicht fair: Das Stuwe AdöR sollte nicht Geld in ein Haus stecken, in dem nur zum Teil Studierende wohnen, sondern für das Geld lieber Wohnraum für Studierende schaffen.Was „eine bewusste Verschleppung von Sanierungsmaßnahmen findet nicht statt“ bedeuten soll, ist uns ein Rätsel. Waren die Sanierungsverschleppungen unbewusst, aus Versehen? Dies wäre ein deutliches Zeichen von Inkompetenz und Ignoranz gegenüber der Bewohner:innen, welche regelmäßig auf diverse Mängel hingewiesen haben. Aus einem bereits geführten Gespräch zwischen einer Bundestagsabgeordneten und einem Vertreter des Stuwe AdöR ging hingegen hervor, dass das Stuwe AdöR sich bewusst dazu entschieden hat, wichtige Sanierungen in der Münze 13 nicht vorzunehmen.Vor allem aber sind wir über den Punkt hinaus, in dem wir für das Wohnprojekt Münze 13 unter den derzeitigen Besitzverhältnissen noch eine Zukunft sehen. Unser soziokultureller Lebens- und Wohnraum ist nach wie vor bedroht und als einzigen Ausweg sehen wir eine echte Selbstverwaltung unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats. Nach dem Kauf des Hauses werden WIR in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt unser Zuhause energetisch angemessen sanieren. Die Stadt Tübingen hat durchweg positive Erfahrungen mit der Sicherung und Schaffung von günstigem Wohnraum durch das Mietshäuser Syndikat gemacht. Auch deshalb wird unser Vorhaben parteiübergreifend aktiv unterstützt.


Wir fordern das Stuwe AdöR nochmal auf, endlich mit uns in Dialog zu treten! Es gibt keine sinnvolle Alternative.

Dialog mit Politiker:innen

Wir hatten zum Hintergrundgespräch zu Besetzung und Kaufabsicht der Münze 13 geladen und freuen uns sehr über das große Interesse! Von Grünen, SPD, CDU, Linke und der PARTEI kamen Vertreter:innen von Kommunaler-, Landes sowie Bundesebene. Vertreter:innen des Leibnizhaus 3, welches sich in einer ähnlichen Situation wir wir befindet, unterstützen uns.

Nach konstruktiven eineinhalb Stunden steht folgendes Resultat: Die vier Bundestagsabgeordneten des Wahlkreis Tübingens werden gemeinsam eine Einladung an das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim AdöR und die zuständigen Stellen bei Vermögen und Bau sowie dem Finanzministerium Baden-Württemberg schreiben. Das Ziel ist ein runder Tisch mit allen Beteiligten über die Zukunft der Münze 13. Auf solch ein Treffen arbeiten wir im Haus nun seit sechs Jahren hin und konnten es alleine leider nicht erwirken.

Die parteiübergreifende Unterstützung sehen wir als starkes Signal. Das gibt uns Hoffnung, dass wir endlich – auch vom Studierendenwerk – gehört werden!

Danke!

Tübingen zeigt Solidarität

Wir lassen uns nicht unterkriegen, liebes Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim! Wir kämpfen gemeinsam für selbstverwalteten, solidarischen Wohnraum!

Zahlreiche WGs, Wohnprojekte und Initiativen haben für uns ihre Fassade dekoriert. Vielen Dank Leute, wir freuen uns sehr über eure Unterstützung!

Uns haben unter anderem Bilder und Unterstützungserklärungen vom Epplehaus, den Wohnprojekten Schellingstraße, Hegel, Fruchtschranne, Leibnizhaus 2 und 3, Lu15, Vier-Häuser-Projekt und Sachsenhaus, den Wagenburgen Bambule und Kuntabunt sowie den selbstverwalteten Studierendenwohnheimen Geissweg, Münze 7 und Pfleghof erreicht. Wir freuen uns über weitere Fotos und Transpis!