Tübingen zeigt Solidarität

Wir lassen uns nicht unterkriegen, liebes Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim! Wir kämpfen gemeinsam für selbstverwalteten, solidarischen Wohnraum!

Zahlreiche WGs, Wohnprojekte und Initiativen haben für uns ihre Fassade dekoriert. Vielen Dank Leute, wir freuen uns sehr über eure Unterstützung!

Uns haben unter anderem Bilder und Unterstützungserklärungen vom Epplehaus, den Wohnprojekten Schellingstraße, Hegel, Fruchtschranne, Leibnizhaus 2 und 3, Lu15, Vier-Häuser-Projekt und Sachsenhaus, den Wagenburgen Bambule und Kuntabunt sowie den selbstverwalteten Studierendenwohnheimen Geissweg, Münze 7 und Pfleghof erreicht. Wir freuen uns über weitere Fotos und Transpis!

Freiräume erhalten!

Seit einigen Jahren arbeiteten viele von uns mit viel Elan daran, dieses Haus zu kaufen. Nicht nur für uns, jetzt hier und heute. Viele ziehen in naher Zukunft weg oder sind es schon. Diese ganze Energie stecken wir nicht rein, damit wir uns Eigentümer:innen nennen können. Wir sehen darin viel eher die Chance, ganz real und greifbar unseren linken Frei-, Kreativ- und Wohnraum auch für die Generationen nach uns zu erhalten.

Doch was meint eigentlich Freiraum? Es meint die Freiheit zu haben, sein Leben abseits einer repressiven, marktbestimmten Gesellschaft zu leben, die schon dort beginnt, wo hohe Mieten einen dazu nötigen, große Teile seines Lebens dem Erwerb zu opfern. Die Logik der dominanten Gesellschaft geht auch in dem Moment in das Individuum über, wo reale, materielle Bedürfnisse den Menschen dazu zwingen, an ihr Teil zu nehmen. Als linkes Wohnprojekt stellen wir uns gegen eine solche Logik. Es gilt heute, so scheint es, mehr denn je, ein Gegennarrativ zu behaupten; und das beginnt mit so etwas Profanem wie einem mit Graffiti bemalten Haus, speist sich durch die Gemeinschaft derer, die es bewohnen, und geht darüber hinaus, wo Widerstand gegen neoliberales, rechtes oder repressives Gedankengut beginnt.

Pluralität, Diversität, Gerechtigkeit und die Freiheit, sein Leben selbst zu gestalten sind Begriffe, die sich dieses Land auf die Fahnen geschrieben hat. Doch werden diese in dem Moment Lügen gestraft, wo dessen Deutungshoheit sich in einer einseitigen Symbolik verläuft. Das Bild von Pluralität, Diversität, Gerechtigkeit und Freiheit zerfällt dort, wo das gesellschaftlich Denkbare endet. Wir wollen aber weiter denken; wollen aus diesem beschränkten Rahmen ausbrechen und in emanzipatorischem Geiste weiter gehen und weiter leben.

Dafür steht auch die Münze 13 sowie der Blaue Salon. In diesem Sinn also ‚Freiräume‘, wo Generationen von Menschen gemeinsam für eine andere, gerechtere, diversere und freiere Gesellschaft einstehen und eingestanden haben und sie bestmöglich schon leben. Doch all das steht und fällt mit der Möglichkeit, überhaupt einen Raum zu haben – und diesen auch nachhaltig zu bewahren.

Warum wir unser Haus besetzen

Am 27. Februar 1977 wurde die ehemalige Polizeiwache in der Münzgasse 13 besetzt. In den folgenden Jahrzehnten ist die Münze 13 ein Zuhause für die verschiedenen und wechselnden Bewohner:innen geworden. Darüber hinaus entstand mit ihrer Hausbar, dem Blauen Salon, ein wichtiger nicht-kommerzieller Treffpunkt, Raum für Subkultur und ein zentraler Ort des alternativen Tübinger Lebens. Am Jahrestag der Besetzung gibt es dieses Jahr allerdings kein Fest – und das liegt nicht nur an Corona. Wir sind nicht in der Stimmung zu feiern, denn der Fortbestand der Münze 13 ist bedroht.  
Bislang beruht der Status Quo als selbstverwaltetes Wohnprojekt auf einem instabilen und wenig zuverlässigen, rechtlichen sowie politischen Fundament. Wir mieten vom Studentenwerk e.V., das zwar nie einen Vertrag über die Nutzung der Immobilie abgeschlossen hat, aber monatlich die Miete weiterüberweist an den Besitzer, das Studierendenwerk AdöR. Dieses Konstrukt entstand, da die Bewohner:innen hier seit der Besetzung unabhängig vom Studierendenstatus und ohne Zeitbegrenzung leben. Das StuWe AdöR vermietet aufgrund seiner Regelungen nur an Studierende und mit Wohnzeitbegrenzung. Die Münze 13 wird geduldet und ist abhängig vom Wohlwollen des jeweiligen Chefs, was den Bewohner:innen aber keine gesicherte Perspektive bietet und unserem Streben nach Selbstverwaltung entgegensteht. Der aktuelle Vorsitzende Oliver Schill hat bis jetzt jeglichen Dialog mit den Bewohner:innen verweigert. 
Unsere Situation kennen auch andere selbstverwaltete Häuser in Tübingen: Das Leibnizhaus 2 und das Leibnizhaus 3 auf dem Österberg stehen auf einem ähnlichen Fundament wie die Münze – sie kennen das angespannte Verhältnis mit dem StuWe AdöR nur zu gut.
In den letzten sieben Jahren haben wir unermüdlich Gesprächseinladungen versendet, um gemeinsam über die Perspektive des Hauses zu sprechen oder zumindest eine feste Ansprechperson und ein eigenes Sanierungsbudget zu bekommen. Jede Einladung wurde ausgeschlagen. Statt die Meldungen über den Zustand des Hauses ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Bewohner:innen einen Plan zur langfristigen Sicherung zu erstellen, hat das Stuwe AdöR einen Investitionsstopp verhängt. Seitdem werden mit Glück noch kleinere Reparaturen durchgeführt, die Bausubstanz verfällt jedoch größtenteils ungehindert. Das an sich ist schon deprimierend. Seit Ende letzten Jahres ist die Heizung kaputt und neben der Kälte in den vergangenen Wochen finden wir das Leck an der Gasamatur auf unserem Dachboden äußerst besorgniserregend.


Wir haben kein Vertrauen mehr, dass die Münze 13 unter dem Dach des Studierendenwerks AdöR dauerhaft bestehen kann. Beispiele wie die Wilhelma oder Münze 7 zeigen, was nach einer Sanierungsverschleppung droht: Entmietung, Kernsanierung, Mietpreisverdopplung. Anstelle eines nachhaltigen Gebäudemangament wurden die Häuser so lange heruntergewirtschaftet bis die Bewohner:innen aufgrund dessen Zustands entmietet werden konnten. Bei der anschließenden Kernsanierung wurde keine Rücksicht auf die Wünsche der Bewohner:innen genommen und die Selbstverwaltung eingeschränkt. So etwas darf nicht noch einmal passieren! Deshalb ist jetzt die Zeit der netten Briefe und höflichen Bitten vorbei. Zum ersten März stellen wir die Mietzahlungen ein. Die einzigen Gespräche, die wir als Münze 13 noch mit dem StuWe führen werden, sind Kaufverhandlungen. 

  • Die Münze 13 möchte sich, genauso wie die beiden Leibnizhäuser, kaufen, um das selbstverwaltete Wohnen, sowie die dazugehörigen gemeinnützigen Kulturräume, wie den Blauen Salon dauerhaft zu schützen. Unter den jetzigen Besitzverhältnissen ist ein Fortbestehen der subkulturellen Zentren bedroht.
  • Durch den Kauf im Rahmen des Mietshäuser Syndikats wird ein Erhalt der Selbstverwaltung garantiert und ein gewinnbringender Weiterverkauf der Immobilie ausgeschlossen. Der Kauf ist Teil des Kampfes gegen die voranschreitende Gentrifizierung. Als Teil des Mietshäuser Syndikats gehört die Münze zu einem bundesweiten Zusammenschluss von über 150 Wohnprojekten, die sich für selbstbestimmtes und soziales Wohnen einsetzen – mit einem politischen Selbstverständnis gegen Immobilienspekulation und für ein Recht auf Wohnen.
  • Durch die Sicherung der günstigen Mieten kann die Münze 13 ein Ort bleiben, an dem neben Studierenden und Auszubildenen aller Hintergründe auch Erwerbstätige, Erwerbslose, Rentner:innen und Lebenskünstler:innen zentral und in Gemeinschaft leben können.
  • Das StuWe kann mit dem Geld aus dem Verkauf seiner Aufgabe nachkommen und weiteren Wohnraum für Studierende schaffen. Momentan stellt das StuWe Wohnraum für nur etwa 11,3% (Stand 2020, nach eigenen Berechnungen) aller Studierenden bereit. In Anbetracht des angespannten Immobiliensmarkts und der Konkurrenz um freien und bezahlbaren Wohnraum in Tübingen ist dies nicht ausreichend.
  • Durch den Hauskauf wären wir in der Lage, uns angemessen um die Sanierung sowie Instandhaltung der Münze 13 zu kümmern. Die gegenwärtige Vernachlässigung beeinträchtigt nicht nur akut die Wohnqualität, sondern schadet langfristig der Bausubstanz des denkmalgeschützen Hauses. Auch der Energie-Standard des Hauses ist in Anbetracht der globalen Klimakrise untragbar und widerspricht all unseren Überzeugungen für zukunftsfähiges Wohnen.

 In dieser festgefahrenen Situation sehen wir keine andere Lösung mehr:

Dieses Haus ist besetzt, bis wir kaufen dürfen.

Die Häuser denen, die drin wohnen!

Instandbesetzen statt kaputtbesitzen! 

Die Bewohner:innen der Münze 13

Und in Solidarität mit der Besetzung, die Bewohner:innen der Häuser LH2 und LH3

Lasst uns feiern!

***Vor 40 Jahre wurde die Münze besetzt und das war erst der Anfang! Seit 1977 leben hier politisch, sozial und kulturell aktive Menschen verschiedenster Hintergründe in Selbstverwaltung. Dass wir unser Haus kaufen wollen, um diesen bunten Ort in der Innenstadt langfristig zu erhalten, ist da nur selbstverständlich… Lasst uns gemeinsam feiern!***

PROGRAMM HAUSFESTIVAL

Mittwoch, 5. April

20.00 Uhr – Vernissage: 40 Jahre Münze 13
21.00 Uhr – Konzerte: Jove (Einmannband), Der Katze und die Hund (Bordsteinkantenorchester)

Donnerstag, 6. April

20.00 Uhr – Hallenkino mit Gwen und Patrick, den Regisseur*innen von „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“. (Weltreisedoku)

Freitag, 7. April

15.00 Uhr – Flohmarkt (wer mitmachen möchte: Mail an office.muenzgasse13@gmx.de) ; Kinderprogramm
18.30 Uhr – Vegane Küche für alle von der Münze 7
20.00 Uhr – Gemütlicher Vorfreudeabend mit Anekdoten aus 40 Jahren Münze 13 (Diskussion & Kurzfilme, musikalische Einlagen von Albert Schnauzer)

Samstag, 8. April

21.00 Uhr – HAUSFEST
mit Lés Pünks (D-Punk), Rotten Mind (Garage Rock) und diversen
DJ*anes des Hauses!

WIR FREUEN UNS AUF EUCH!

Herbstfest am 14. Oktober

Die Münze 13 veranstaltet einen Tag der offenen Tür! Am 14. Oktober sind alle Interessent*innen ganz herzlich eingeladen, bei uns vorbeizuschauen, mehr über die Hintergründe der  Kaufabsicht und den aktuellen Stand der Dinge zu erfahren.

Programm

14.00 Uhr: Beginn
15.00 Uhr: Kurzer Vortrag mit anschließender Gesprächsrunde
18.00 Uhr: Ende

Darüber hinaus werden Hausführungen angeboten. Für Essen und Trinken ist gesorgt.

Wir freuen uns auf euch!