Soli-Shirts

Münze 13 bleibt – jetzt und für immer ❤

Die T-Shirts sind öko und wurden von uns im Epplehaus mit Siebdruck verziert. Wir verkaufen die Shirts jetzt erstmal sonntags zwischen 16-18 Uhr aus dem Fenster des Blauen Salons. Einmal in der Woche würden wir auch versenden. So oder so, schreibt uns gerne vorher, welche Farbe und Größe ihr möchtet, damit wir wissen, wie viel wir von was drucken.

Da wir coronabedingt ja leider keine Hausfeste und Solipartys schmeißen können, hoffen wir so, zumindest einen Teil der Kosten für die professionellen Gutachten und den Anwalt decken zu können.

#supportyourlocalsquat

Start in die Verhandlungen: Besetzung erreicht erstes Etappenziel

Der Runde Tischer mit Studierendenwerk, Stadt und Land war ein großer Erfolg. Von keiner Seite gibt es grundlegende Bedenken gegen die Umwandlung des Hauses in ein Projekt des Mietshäuser Syndikats, so das Fazit nach dem ersten Gespräch in großer Runde.

Am 8. April fand ein digitales Treffen zwischen Bewohner:innen der Münze 13, der Geschäftsführung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, Vertreter:innen des Mietshäuser Syndikats, des Tübinger Studentenwerk e.V., der Stadtverwaltung, dem VBA, Politiker:innen verschiedener Parteien sowie den zahlreichen Akteur:innen, die der Umwandlung des Hauses in ein selbstverwaltetes Wohnprojekt unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats zustimmen müssten, statt. Auch aufgrund der Komplexität der Besitzverhältnisse, notwendigen Kooperation verschiedener Institutionen und unklarer Zuständigkeiten blieben in der Vergangenheit Anfragen der Hausgemeinschaft bezüglich der Übernahme des Erbbaurechtsvertrags unbeantwortet. Deshalb saßen nun Oliver Schill und Tilmann Beetz aus der Geschäftsführung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, Universitätsrektor Prof. Dr. Bernd Engler als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Studierendenwerks und Andreas Hölting, Leiter des Tübinger Amts für Vermögen und Bau zumindest virtuell an einem Tisch.

Nach jahrelangen erfolglosen Bemühungen der Bewohner:innen, mit dem Studierendenwerk in Dialog über die Zukunft des Hauses zu treten, wird die neue Gesprächsbereitschaft als großer Fortschritt gewertet. Der runde Tisch mit allen relevanten Akteur:innen kam auf Initiative der Bundes- und Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal, Dr. Dorothea Kliche-Behnke, Heike Hänsel, Chris Kühn und Dr. Martin Rosemann zustande, die ebenfalls am Treffen teilnahmen.

Im Laufe des Treffens äußerte sich Andreas Hölting klar, dass Vermögen und Bau sich selbst nicht als aktiven und politischen Akteur sehe, sondern vielmehr in einer Verwaltungsrolle. Die Entscheidung müsse an anderer Stelle getroffen werden, Vermögen und Bau reagiere auf das, was der jetzige Erbbaurechtsnehmer mit seinem Verwaltungsrat [also das Stuwe AdöR] und den dazugehörigen Ministerien entscheidet. Für die Stadt Tübingen ist eine angemessene Pflege der stadtbildprägenden Immobilie sowie der Erhalt seiner sozialen Zwecke wichtig, die diesbezüglich sehr gute Erfahrungen mit den selbstverwalteten Syndikatsprojekten gemacht hat.

Im nächsten Schritt werden sich Prof. Dr. Bernd Engler und Oliver Schill im Verwaltungsrat um ein Mandat bemühen, das ihnen ermöglicht, in ergebnisoffene Verhandlungen mit den Bewohner:innen zu treten. Im weiteren Prozess werden die alternativen Optionen der a) Sanierung und Umwandlung in ein Syndikatsprojekt durch die Bewohner:innen oder b) Sanierung durch das Studierendenwerk anhand verschiedener Kriterien verglichen, um die für alle Beteiligten beste Lösung auszumachen. Alle Beteiligten verständigten sich einvernehmlich auf eine Moderation durch Baubürgermeister Cord Soehlke. Einigkeit unter allen Anwesenden herrschte zudem darüber, dass es ein „Weiter so“ nicht geben könne und gemeinsam an einer konstruktiven Lösung zum Erhalt des denkmalgeschützten Hauses und des gewachsenen, nicht-kommerziellen Wohn- und Kulturraums gearbeitet werden muss.

Als Bewohner:innen der Münze 13 sind wir überzeugt, dass wir sehr gute Argumente für den Fortbestand in echter Selbstverwaltung und einer bedarfsorientierten und qualitativ hochwertigen Sanierung als Projekt des Mietshäuser Syndikats haben.

Europaweiter Housing Action Day am 27.3.

Wir sind Teil des Tübinger Aktionsbündnis und laden euch herzlich zur Kundgebung um 13.30 Uhr auf den Holzmarkt ein! Außerdem könnt ihr den ganzen Tag ab 11 Uhr vor unserem Haus eine Ausstellung zur bewegten Geschichte der Münze 13 begutachten. Europaweit gehen zum Housing Action Day Menschen auf die Straße: Für das Recht auf ein würdevolles Leben in guten und sicheren Wohnungen für alle und für eine solidarische Stadt(gesellschaft).

Die Missstände sind alle seit vielen Jahren bekannt: Mieten und Bodenpreise in den attraktiven Städten explodieren, angeheizt durch den Handel und die Spekulation mit „Betongold“. Gleichzeitig wurden über viele Jahre bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen an Miethaie verkauft und viel zu wenige davon neu gebaut. Beides zusammen führt dazu, dass Mieter*innen mit kleinen Einkommen verdrängt werden und Wohnungsnot und -unsicherheit in breiten Bevölkerungsschichten grassiert. In der Pandemie wird all dies noch verschärft. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass beengte und schlechte Wohnverhältnisse sehr stark zu Ansteckungen und schweren Krankheitsverläufen bei Covid19 beitragen. Und: Aktien- und Kapitalbesitz macht in dieser Krise reich(er), Kurzarbeit bei niedrigen Löhnen lässt Menschen vollends verarmen und bringt sie in die existenzielle Not, z.B. ihre Mieten oder Nebenkosten nicht mehr zahlen zu können.

Das mag es alles geben, aber doch nicht in Tübingen… Falsch, es gibt für all das Aufgezählte auch hier Beispiele:
Es gab die Privatisierung von Sozialwohnungen in die Hände von allein auf Rendite ausgerichteten Wohnungskonzernen, es gibt Miethaie, es gibt Verdrängung, es gibt enormen Druck – nicht nur, aber vor allem – auf Einkommensschwächere. In Zukunft übrigens noch mehr durch das von fast allen Gemeinderatsfraktionen hofierte Amazon-/Cyber-Valley, das bei „überhitztem Wohnungsmarkt“ hunderte oder gar tausende von gutbezahlten Spezialist*innen zusätzlich anziehen und um den knappen Wohnraum konkurrieren lassen wird.

Trotzdem ist es so, dass viele von Wohnungsnot, Verdrängung und Miethai-Praktiken Betroffene sich bisher nicht öffentlich wehren, vielleicht aus Scham, vielleicht aus Hoffnungslosigkeit. Das wollen wir ändern!

Gleichzeitig gibt es aber auch Beispiele dafür, wie es anders gehen kann:

  • In Tübingen hat die Erbengemeinschaften der Fruchtschranne 6 das Haus zu einem fairen Preis an die Bewohner*innen verkauft, die es nun mit dem Mietshäuser Syndikat dauerhaft vom Immobilienmarkt genommen und bezahlbare Mieten gesichert haben.
  • Aktuell kämpfen die Bewohner*innen des ehemals – und jetzt wieder – besetzten Hauses Münzgasse 13 darum, ihr Haus ebenfalls mit dem Mietshäuser Syndikat kaufen und dauerhaft sichern zu können.
  • Mit der Genossenschaft Neustart Tübingen wird ein neues, beispielhaftes sozial-ökologisches Konzept von Nachbarschaften für das Neubaugebiet Marienburger Straße entwickelt.
  • Und in Berlin sammelt die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen (mit Co ist z.B. die auch in Tübingen aktive Vonovia gemeint) derzeit erfolgreich Unterschriften für einen Volksentscheid zur Enteignung von Immobilienkonzernen, die nach dem Grundgesetz möglich ist.

Wohnraum darf keine Ware sein! Immobilienkonzerne enteignen!

Viel mehr kommunale und Landesinvestitionen in dauerhaft bezahlbaren Wohnraum!

Bessere Förderung aller gemeinwohlorientierten Akteure im Wohnbereich!

Mietenstopp und Mietendeckel überall!

Abschaffung von Lagerunterbringung – nicht nur in Pandemiezeiten!

Recht auf Stadt und Teilhabe an allen städtischen Leistungen für alle, auch für Geflüchtete und Wohnsitzlose!

Bitte beachtet auf der Kundgebung und bei der Ausstellung die Corona-Regeln: Mund-Nase-Bedeckung tragen und Abstand halten.

Stellungnahme zur Pressemitteilung des Studierendenwerks AdöR

Zunächst waren wir davon irritiert, dass das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim AdöR (Stuwe AdöR) auch nach Verkündung der Besetzung der Münzgasse 13 und abermaliger Gesprächseinladung den Kontakt mit den Bewohner:innen verweigert  und lediglich eine Pressemitteilung voller leerer Versprechungen und falscher Behauptungen vom Schwäbischen Tagblatt drucken ließ. Andererseits hätte es keinen besseren öffentlichen Beweis für das Verhalten des Studierendenwerks geben können. Nach mehr als sieben Jahren erfolglosen Bemühungen, mit dem Stuwe AdöR einen Dialog über die Zukunft der Münze 13 zu führen, sehen wir die Besetzung nach wie vor als letzten Ausweg, um für den Fortbestand des subkulturellen Zentrums und unseres Zuhauses einzustehen. Die Zermürbungstaktik, Zuständigkeiten zu verweigern und zu ignorieren praktiziert das Stuwe AdöR seit Jahren. Das kennen wir bereits und werden uns davon nicht unterkriegen lassen. 
An dieser Stelle möchten wir einige Richtigstellungen und Ergänzungen vornehmen, auch wenn wir überrascht sind, dass wir mehr Wissen über die Immobilie und ein mögliches Veräußerungsverfahren besitzen als ihre Eigentümerin, das Studierendenwerk AdöR.

  • Die Münze 13 befindet sich seit 1998 in Besitz des Studierendenwerks, war jedoch weder heute noch zum Zeitpunkt des Kaufes ein Studierendenwohnheim. Vielmehr zeichnet sich das seit der Besetzung 1977 gewachsene sozio-kulturelle Wohnprojekt, welches das Stuwe AdöR in seiner Pressemitteilung zu Recht anerkennt, durch eine gemischte Bewohner:innenschaft aus. Das Haus wird somit also NICHT „seit mehr als 100 Jahren als Studierendenwohnheim betrieben“, sondern WURDE von 1683 bis 1936 als Wohnraum für finanzschwache Stipendiaten genutzt und IST seit nun 44 Jahren ein Wohnprojekt, das ausdrücklich nicht nur Wohnraum für Studierende bereitstellt. 
  • Die „zwischenzeitliche Unterbrechung“ der Wohnnutzung betrug exakt 40 Jahre (von 1936 bis 1976) und begann mit der NS-Diktatur, welche in dem Gebäude eine Gestapo-Diensstelle einrichtete. In der Münze 13 wurden u.a. Deportationen organisiert und Gefangene verhört. Nach Ende des zweiten Weltkriegs ging das Gebäude an die Polizei über. Nach deren Umzug in einen Neubau wollte die Universität das Gebäude für Lehre und Verwaltung nutzen. Nur der Entschlossenheit der Besetzer:innen von 1977 ist zu verdanken, dass heute in der Münze 13 wieder sozial verträglicher Wohnraum besteht. 
  • Ein Verkauf würde nichts an der Struktur der Bewohner:innenschaft und der Verfügung günstiger Wohnplätze ändern. Der Verein Münze 13 e.V. bekennt sich weiterhin zu einer Studierenden- und Auszubildenenquote von 60 Prozent. Lediglich könnte das Stuwe AdöR die Zimmeranzahl nicht für seine Wohnheimsplatz-Statistik nutzen. Vielmehr würde eine Sanierung durch das Stuwe AdöR aller Wahrscheinlichkeit nach einen Wegfall von Wohnplätzen für Menschen bedeuten, die nicht studieren und es auf dem aktuellen Wohnungsmarkt nicht einfach haben, einen Wohnraum zu finden. Von dem Erlös aus dem Verkauf sowie den Einsparungen der notwendigen Sanierung, könnte das Stuwe AdöR jedoch weitere Wohnheimsplätze schaffen, die tatsächlich Studierenden zu Gute kommen.
  • Es ist falsch, dass vor der Veräußerung „grundsätzlich eine offene Ausschreibung“ stattfinden müsste. Beispiele wie die Lu15 zeigen, dass das Stuwe AdöR verkaufen kann, wenn es möchte.

Wir fragen uns zudem, was es bedeutet, dass die „Liegenschaft nicht entbehrlich“ ist. Im Sinne eines nachhaltigen Gebäudemanagements müsste demzufolge ein Interesse an ihrer Instandhaltung bestehen. Wir sind voller Unglauben darüber, dass eine Besetzung notwendig ist, damit sich das Stuwe AdöR für den Zustand der Baussubtanz interessiert. Die erneute Zusicherung einer „zukunftssichernden Sanierung“ halten wir nach Jahrzehnten des Verfalls für wenig glaubwürdig. Zudem zeigen Beispiele wie die Wilhelma und Münze 7, dass Sanierungen durch das Stuwe Adör zu qualitativ mangelhaften Ergebnissen führen (Wilhelma) oder nicht im Sinne der Selbstverwaltung saniert wird, etwa durch veränderte Grundrisse (Münze 7). In beiden Fällen gingen die Sanierungen zudem mit massiven Mieterhöhungen einher. Auch wird es dem Stuwe AdöR nicht möglich sein, dem Wohnprojekt eine gesicherte Zukunft und eine Sanierung entsprechend „den  Ansprüchen  der  derzeitigen  Bewohnerinnen  und  Bewohner“ zu bieten – denn dies sind teilweise keine Studierenden, was streng genommen bereits jetzt einen Bruch des Erbauvertrags zwischen Land und Stuwe AdöR darstellt. Die jetzige Situation ist auch Studiereden gegenüber nicht fair: Das Stuwe AdöR sollte nicht Geld in ein Haus stecken, in dem nur zum Teil Studierende wohnen, sondern für das Geld lieber Wohnraum für Studierende schaffen.Was „eine bewusste Verschleppung von Sanierungsmaßnahmen findet nicht statt“ bedeuten soll, ist uns ein Rätsel. Waren die Sanierungsverschleppungen unbewusst, aus Versehen? Dies wäre ein deutliches Zeichen von Inkompetenz und Ignoranz gegenüber der Bewohner:innen, welche regelmäßig auf diverse Mängel hingewiesen haben. Aus einem bereits geführten Gespräch zwischen einer Bundestagsabgeordneten und einem Vertreter des Stuwe AdöR ging hingegen hervor, dass das Stuwe AdöR sich bewusst dazu entschieden hat, wichtige Sanierungen in der Münze 13 nicht vorzunehmen.Vor allem aber sind wir über den Punkt hinaus, in dem wir für das Wohnprojekt Münze 13 unter den derzeitigen Besitzverhältnissen noch eine Zukunft sehen. Unser soziokultureller Lebens- und Wohnraum ist nach wie vor bedroht und als einzigen Ausweg sehen wir eine echte Selbstverwaltung unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats. Nach dem Kauf des Hauses werden WIR in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt unser Zuhause energetisch angemessen sanieren. Die Stadt Tübingen hat durchweg positive Erfahrungen mit der Sicherung und Schaffung von günstigem Wohnraum durch das Mietshäuser Syndikat gemacht. Auch deshalb wird unser Vorhaben parteiübergreifend aktiv unterstützt.


Wir fordern das Stuwe AdöR nochmal auf, endlich mit uns in Dialog zu treten! Es gibt keine sinnvolle Alternative.

Dialog mit Politiker:innen

Wir hatten zum Hintergrundgespräch zu Besetzung und Kaufabsicht der Münze 13 geladen und freuen uns sehr über das große Interesse! Von Grünen, SPD, CDU, Linke und der PARTEI kamen Vertreter:innen von Kommunaler-, Landes sowie Bundesebene. Vertreter:innen des Leibnizhaus 3, welches sich in einer ähnlichen Situation wir wir befindet, unterstützen uns.

Nach konstruktiven eineinhalb Stunden steht folgendes Resultat: Die vier Bundestagsabgeordneten des Wahlkreis Tübingens werden gemeinsam eine Einladung an das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim AdöR und die zuständigen Stellen bei Vermögen und Bau sowie dem Finanzministerium Baden-Württemberg schreiben. Das Ziel ist ein runder Tisch mit allen Beteiligten über die Zukunft der Münze 13. Auf solch ein Treffen arbeiten wir im Haus nun seit sechs Jahren hin und konnten es alleine leider nicht erwirken.

Die parteiübergreifende Unterstützung sehen wir als starkes Signal. Das gibt uns Hoffnung, dass wir endlich – auch vom Studierendenwerk – gehört werden!

Danke!

Tübingen zeigt Solidarität

Wir lassen uns nicht unterkriegen, liebes Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim! Wir kämpfen gemeinsam für selbstverwalteten, solidarischen Wohnraum!

Zahlreiche WGs, Wohnprojekte und Initiativen haben für uns ihre Fassade dekoriert. Vielen Dank Leute, wir freuen uns sehr über eure Unterstützung!

Uns haben unter anderem Bilder und Unterstützungserklärungen vom Epplehaus, den Wohnprojekten Schellingstraße, Hegel, Fruchtschranne, Leibnizhaus 2 und 3, Lu15, Vier-Häuser-Projekt und Sachsenhaus, den Wagenburgen Bambule und Kuntabunt sowie den selbstverwalteten Studierendenwohnheimen Geissweg, Münze 7 und Pfleghof erreicht. Wir freuen uns über weitere Fotos und Transpis!

Freiräume erhalten!

Seit einigen Jahren arbeiteten viele von uns mit viel Elan daran, dieses Haus zu kaufen. Nicht nur für uns, jetzt hier und heute. Viele ziehen in naher Zukunft weg oder sind es schon. Diese ganze Energie stecken wir nicht rein, damit wir uns Eigentümer:innen nennen können. Wir sehen darin viel eher die Chance, ganz real und greifbar unseren linken Frei-, Kreativ- und Wohnraum auch für die Generationen nach uns zu erhalten.

Doch was meint eigentlich Freiraum? Es meint die Freiheit zu haben, sein Leben abseits einer repressiven, marktbestimmten Gesellschaft zu leben, die schon dort beginnt, wo hohe Mieten einen dazu nötigen, große Teile seines Lebens dem Erwerb zu opfern. Die Logik der dominanten Gesellschaft geht auch in dem Moment in das Individuum über, wo reale, materielle Bedürfnisse den Menschen dazu zwingen, an ihr Teil zu nehmen. Als linkes Wohnprojekt stellen wir uns gegen eine solche Logik. Es gilt heute, so scheint es, mehr denn je, ein Gegennarrativ zu behaupten; und das beginnt mit so etwas Profanem wie einem mit Graffiti bemalten Haus, speist sich durch die Gemeinschaft derer, die es bewohnen, und geht darüber hinaus, wo Widerstand gegen neoliberales, rechtes oder repressives Gedankengut beginnt.

Pluralität, Diversität, Gerechtigkeit und die Freiheit, sein Leben selbst zu gestalten sind Begriffe, die sich dieses Land auf die Fahnen geschrieben hat. Doch werden diese in dem Moment Lügen gestraft, wo dessen Deutungshoheit sich in einer einseitigen Symbolik verläuft. Das Bild von Pluralität, Diversität, Gerechtigkeit und Freiheit zerfällt dort, wo das gesellschaftlich Denkbare endet. Wir wollen aber weiter denken; wollen aus diesem beschränkten Rahmen ausbrechen und in emanzipatorischem Geiste weiter gehen und weiter leben.

Dafür steht auch die Münze 13 sowie der Blaue Salon. In diesem Sinn also ‚Freiräume‘, wo Generationen von Menschen gemeinsam für eine andere, gerechtere, diversere und freiere Gesellschaft einstehen und eingestanden haben und sie bestmöglich schon leben. Doch all das steht und fällt mit der Möglichkeit, überhaupt einen Raum zu haben – und diesen auch nachhaltig zu bewahren.

Warum wir unser Haus besetzen

Am 27. Februar 1977 wurde die ehemalige Polizeiwache in der Münzgasse 13 besetzt. In den folgenden Jahrzehnten ist die Münze 13 ein Zuhause für die verschiedenen und wechselnden Bewohner:innen geworden. Darüber hinaus entstand mit ihrer Hausbar, dem Blauen Salon, ein wichtiger nicht-kommerzieller Treffpunkt, Raum für Subkultur und ein zentraler Ort des alternativen Tübinger Lebens. Am Jahrestag der Besetzung gibt es dieses Jahr allerdings kein Fest – und das liegt nicht nur an Corona. Wir sind nicht in der Stimmung zu feiern, denn der Fortbestand der Münze 13 ist bedroht.  
Bislang beruht der Status Quo als selbstverwaltetes Wohnprojekt auf einem instabilen und wenig zuverlässigen, rechtlichen sowie politischen Fundament. Wir mieten vom Studentenwerk e.V., das zwar nie einen Vertrag über die Nutzung der Immobilie abgeschlossen hat, aber monatlich die Miete weiterüberweist an den Besitzer, das Studierendenwerk AdöR. Dieses Konstrukt entstand, da die Bewohner:innen hier seit der Besetzung unabhängig vom Studierendenstatus und ohne Zeitbegrenzung leben. Das StuWe AdöR vermietet aufgrund seiner Regelungen nur an Studierende und mit Wohnzeitbegrenzung. Die Münze 13 wird geduldet und ist abhängig vom Wohlwollen des jeweiligen Chefs, was den Bewohner:innen aber keine gesicherte Perspektive bietet und unserem Streben nach Selbstverwaltung entgegensteht. Der aktuelle Vorsitzende Oliver Schill hat bis jetzt jeglichen Dialog mit den Bewohner:innen verweigert. 
Unsere Situation kennen auch andere selbstverwaltete Häuser in Tübingen: Das Leibnizhaus 2 und das Leibnizhaus 3 auf dem Österberg stehen auf einem ähnlichen Fundament wie die Münze – sie kennen das angespannte Verhältnis mit dem StuWe AdöR nur zu gut.
In den letzten sieben Jahren haben wir unermüdlich Gesprächseinladungen versendet, um gemeinsam über die Perspektive des Hauses zu sprechen oder zumindest eine feste Ansprechperson und ein eigenes Sanierungsbudget zu bekommen. Jede Einladung wurde ausgeschlagen. Statt die Meldungen über den Zustand des Hauses ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Bewohner:innen einen Plan zur langfristigen Sicherung zu erstellen, hat das Stuwe AdöR einen Investitionsstopp verhängt. Seitdem werden mit Glück noch kleinere Reparaturen durchgeführt, die Bausubstanz verfällt jedoch größtenteils ungehindert. Das an sich ist schon deprimierend. Seit Ende letzten Jahres ist die Heizung kaputt und neben der Kälte in den vergangenen Wochen finden wir das Leck an der Gasamatur auf unserem Dachboden äußerst besorgniserregend.


Wir haben kein Vertrauen mehr, dass die Münze 13 unter dem Dach des Studierendenwerks AdöR dauerhaft bestehen kann. Beispiele wie die Wilhelma oder Münze 7 zeigen, was nach einer Sanierungsverschleppung droht: Entmietung, Kernsanierung, Mietpreisverdopplung. Anstelle eines nachhaltigen Gebäudemangament wurden die Häuser so lange heruntergewirtschaftet bis die Bewohner:innen aufgrund dessen Zustands entmietet werden konnten. Bei der anschließenden Kernsanierung wurde keine Rücksicht auf die Wünsche der Bewohner:innen genommen und die Selbstverwaltung eingeschränkt. So etwas darf nicht noch einmal passieren! Deshalb ist jetzt die Zeit der netten Briefe und höflichen Bitten vorbei. Zum ersten März stellen wir die Mietzahlungen ein. Die einzigen Gespräche, die wir als Münze 13 noch mit dem StuWe führen werden, sind Kaufverhandlungen. 

  • Die Münze 13 möchte sich, genauso wie die beiden Leibnizhäuser, kaufen, um das selbstverwaltete Wohnen, sowie die dazugehörigen gemeinnützigen Kulturräume, wie den Blauen Salon dauerhaft zu schützen. Unter den jetzigen Besitzverhältnissen ist ein Fortbestehen der subkulturellen Zentren bedroht.
  • Durch den Kauf im Rahmen des Mietshäuser Syndikats wird ein Erhalt der Selbstverwaltung garantiert und ein gewinnbringender Weiterverkauf der Immobilie ausgeschlossen. Der Kauf ist Teil des Kampfes gegen die voranschreitende Gentrifizierung. Als Teil des Mietshäuser Syndikats gehört die Münze zu einem bundesweiten Zusammenschluss von über 150 Wohnprojekten, die sich für selbstbestimmtes und soziales Wohnen einsetzen – mit einem politischen Selbstverständnis gegen Immobilienspekulation und für ein Recht auf Wohnen.
  • Durch die Sicherung der günstigen Mieten kann die Münze 13 ein Ort bleiben, an dem neben Studierenden und Auszubildenen aller Hintergründe auch Erwerbstätige, Erwerbslose, Rentner:innen und Lebenskünstler:innen zentral und in Gemeinschaft leben können.
  • Das StuWe kann mit dem Geld aus dem Verkauf seiner Aufgabe nachkommen und weiteren Wohnraum für Studierende schaffen. Momentan stellt das StuWe Wohnraum für nur etwa 11,3% (Stand 2020, nach eigenen Berechnungen) aller Studierenden bereit. In Anbetracht des angespannten Immobiliensmarkts und der Konkurrenz um freien und bezahlbaren Wohnraum in Tübingen ist dies nicht ausreichend.
  • Durch den Hauskauf wären wir in der Lage, uns angemessen um die Sanierung sowie Instandhaltung der Münze 13 zu kümmern. Die gegenwärtige Vernachlässigung beeinträchtigt nicht nur akut die Wohnqualität, sondern schadet langfristig der Bausubstanz des denkmalgeschützen Hauses. Auch der Energie-Standard des Hauses ist in Anbetracht der globalen Klimakrise untragbar und widerspricht all unseren Überzeugungen für zukunftsfähiges Wohnen.

 In dieser festgefahrenen Situation sehen wir keine andere Lösung mehr:

Dieses Haus ist besetzt, bis wir kaufen dürfen.

Die Häuser denen, die drin wohnen!

Instandbesetzen statt kaputtbesitzen! 

Die Bewohner:innen der Münze 13

Und in Solidarität mit der Besetzung, die Bewohner:innen der Häuser LH2 und LH3